Ich will rennen, so weit wie ich nur kann. Dann noch weiter. Ich lebe durch die Tage ohne wahrlich zu begreifen wie gut es mir doch ergeht, mit meinem funktionierenden Körper und Geist.
Ich will ausbrechen. Vorhin eine ältere Dame gesehen, die nicht mehr richtig laufen konnte. Selbst den Bordstein herabsteigen schien ihr sehr schwer zu fallen. Etwas fing an in mir zu brennen. Es war in gewisser weise eine Farbe des Frustes; machtlos sein, nicht helfen zu können. Wie gerne ich ihr Gesundheit (und Zeit) geschenkt hätte, damit sie normales gehen (wieder?) genießen kann.
Ich will schreien, so laut ich nur kann. Bis die Welt mich hört. Musik ist ein integraler Bestandteil meines Lebens. Das Leben hat mir Gehör geschenkt und trotzdem frage ich mich wie es wohl sein muss für die Seelen, die nicht mehr hören können oder es nie erlebt haben. Ist das nicht ein Fluch? Ein kompletter Bereich der Wahrnehmung fehlt komplett.
Ich will Flüsse weinen. Woher kommt diese tiefe Trauer? Ich habe eine gelähmte Katze gesehen. Ohne menschliche Hilfe wäre sie schon lange verstorben. Wie ist das, gelähmt zu sein? Gefangen im Körper? Manche können sich ein bisschen bewegen. Manche nicht mal mehr reden. Ich würde behaupten, dass das ein Fluch sein muss.
Ich muss handeln. Farben für die blinden finden. Ist es nicht irgendwo, irgendwie meine Aufgabe und Pflicht der Welt zu geben? Liebe, wärme, ein Zuhause; von Weisheiten bis zu Albereien.
Etwas da lassen.