Oft starre ich in die Natur, tränke mich im Spektakel und verfolge wie der Wind Blätter in Bewegung versetzt. Kleine Käfer und andere Tiere krabbeln über Boden und Baum, verstecken sich in Blüten oder lassen sich im Wind tragen. Es ist wahrlich ein Segen hier Leben zu dürfen. In Süddeutschland, tief im Schwabenland. Mein ganzes Leben schon wusste ich, dass ich hier sterben möchte. Aussuchen kann ich’s mir nicht, vielleicht…

Ich merke langsam, dass ich altere. In ein paar Wochen steht mein 31ter Geburtstag an. So alt bin ich doch noch gar nicht? Aber älter als gestern. Ich habe Angst vor der Zeit, wie schnell sie doch vergeht. Schon wieder ein Tag vergangen. Aber nicht verloren. Wann hab ich eigentlich angefangen spazieren zu gehen? Früher fand‘ ich das doof. Heute sehne ich mich danach. Gehört das zum altern dazu? Zumindest habe ich begriffen, dass Bewegung essentiell ist. Ich will ja mindestens 100 werden – und dabei gesund bleiben. Laufen, laufen, laufen! Manchmal auch joggen. 2km? Man war das anstrengend. Hey, jetzt sind’s schon 10. Auf einmal 25. Ging doch echt schnell, der Fortschritt. Der Fortschritt der Zeit. 100km, Ultramarathon ist das Ziel. Dauert vermutlich noch etwas. Ein, zwei Momente, dann habe ich auch das geschafft. Einmal die Augen kurz schließen, ausruhen. Und schwupp stehe ich da, gehe in mich rein und weiß, die nächsten Stunden werden brutal. Es sind immerhin 100km die ich jetzt absolvieren muss.

Ist das nicht schön? Dieser Fortschritt und die Erkenntnis darüber? Ich wünschte ich hätte mehr Zeit verbracht um meiner Muttersprache mächtig zu werden. Es ist frustrierend seine Gefühle und Gedanken nicht richtig ausdrücken zu können. Ich muss einfach mehr schreiben, wie ich es auch jetzt gerade mache. Und mehr lesen!

Eine wichtige, äußerst wundervolle Person; vielleicht die wichtigste im Moment, hat mir das Buch „Der Trost der Schönheit“ empfohlen. Was ein Titel. Ich war nicht bereit, was mich darin begrüßt hat. Die Schönheit der deutschen Sprache, oh ja, definitiv. Doch Weisheiten und Wahrheiten, die man nicht wahr haben möchte. Über die eigene Sterblichkeit. Wie man seine Zeit nutzt. Und egal wie man sie nutzt, man wird nie genug haben. Nicht in diesem Leben, vielleicht geht es ja weiter nachdem diese Hülle in der Erde zerfallen ist.

Lesen, lesen sollte ich.